Wer kennt es nicht – dieses Gefühl, alles hinschmeißen zu wollen und sich am liebsten unter einer schweren, kuscheligen Decke zu verkriechen… vielleicht für immer?
Ja, auch ich hatte solche Momente. Und um ganz ehrlich zu sein: Ich bin gerade nicht weit davon entfernt. Aber ich weiß, dass es mein Traum ist, zu schreiben – und den kann ich nicht einfach so aufgeben. So ein Tief geht vorbei. Und irgendwie finde ich am Ende immer meinen Weg zurück zum Schreiben.
Das bunte Chaos
Nachdem ich meinen ersten Entwurf fertiggestellt hatte, wollte ich mich am liebsten sofort in die Überarbeitung stürzen. Voller Motivation begann ich also, den Anfang meiner Geschichte zu lesen – und markierte nahezu den gesamten Text in verschiedenen Farben. Jede hatte ihre Bedeutung: Blau für streichen, lila für ergänzen, grün für Wiederholungen, gelb für Infodump und so weiter.
Doch schon nach wenigen Seiten schlichen sich Zweifel ein… Entmutigt blickte ich auf das Farbchaos vor mir und zog die Stirn kraus. Ich hatte die ersten Seiten irgendwie besser in Erinnerung. Vermutlich lag das daran, dass ich deutlich jünger war, als ich sie geschrieben hatte.
Um mich nicht weiter mit diesem katastrophalen Schreibstil von damals auseinandersetzen zu müssen, begann ich, mir alles laut vorzulesen. Doch wider Erwarten brachte auch das mich nicht weiter.
Die erste große Plotlücke
Es dauerte nicht lange, bis ich auf die erste große Plotlücke stieß. Tagelang versuchte ich, Ordnung in das Chaos aus losen Erzählfäden zu bringen und die Geschichte sinnvoll aufzubauen. Verzweifelt suchte ich nach Lösungen – doch nichts schien gut genug.
Dann, eines Nachts, kam mir eine Idee, die zumindest einen Versuch wert war. Nichts Perfektes, aber vielleicht ein Anfang. Also setzte ich mich wieder an mein Manuskript, passte die ersten Seiten entsprechend an und ergänzte meine Gedanken.
Doch diese Idee krempelte meine Geschichte mehr um, als ich erwartet hatte.
Wo ich jetzt stehe
Momentan versuche ich, alles noch einmal am Stück zu lesen, um mir einen Überblick zu verschaffen. Danach möchte ich die Storyline überarbeiten und alles besser miteinander verbinden. Zumindest hoffe ich, dass es so funktioniert…
Trotz allem bin ich fest davon überzeugt, dass ich es schaffen werde. Auch wenn es schwer ist. Ich war schon mehr als einmal an dem Punkt, alles hinzuschmeißen und mir das Autorinnenleben auszureden. Aber ich bin noch hier. Und ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass ich auch in Zukunft immer wieder zum Schreiben zurückfinden werde.
Es geht nicht darum, immer motiviert zu sein oder alles perfekt zu machen. Sondern darum, immer wieder zurückzukommen.
Gebt eure Träume nicht auf
Egal, wie schwer es gerade ist – gebt eure Träume nicht einfach auf.
Wenn ihr etwas wirklich wollt und bereit seid, dafür zu kämpfen, dann lohnt es sich, weiterzumachen. Jeder war einmal an diesem Punkt. Zweifel gehören dazu. Perfektion ist keine Realität – sie ist eine Vorstellung. Und trotzdem jagen wir ihr hinterher. Man darf Fehler machen. Man darf neu anfangen. Man darf Dinge umschreiben, verwerfen und komplett neu denken.
Vielleicht geht es gar nicht darum, perfekt zu sein.
Vielleicht geht es darum, dranzubleiben.
Am Ende wächst eure Geschichte mit euch. Und irgendwann haltet ihr etwas in den Händen, das mehr ist als nur ein Text – etwas, das ihr erschaffen habt.
— Lovis